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Missbrauch und Misshandlungen durch katholische Priester und Lehrer
Papst entschuldigt sich nur
Scheinbar sind die jetzt bekannt gewordenen Vorfälle von Kindesmisshandlung und sexueller Missbrauch von Kindern durch katholische Priester und Lehrer im Rheinisch Bergischen Kreis weltweit keine Einzelfälle. Selbst Papst Benedikt XVI. wird bei seiner Reise in die USA das Problem des sexuellen Missbrauchs durch Priester, Lehrer und Erzieher ansprechen. Das hat laut Radio Vatikan Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone in einem Interview mit dem US-Fernsehsender Fox TV angekündigt. Die Serie von Missbrauchsfällen, die in mehreren Etappen und oft mit jahrzehntelanger Verzögerung an die Oberfläche gespült wurde, hat die katholische Kirche in Amerika in den vergangenen Jahren bis auf die Grundfeste erschüttert und hohe Entschädigungszahlungen an die Opfer ausgelöst. Der Papst will daher am Samstag den 19.April 2008, also am bundesweiten Aktionstag der ARD zum Demographischen Wandel, in der St. Patricks Kathedrale in New York in seiner Rede auch auf dieses Thema eingehen.
Der New Yorker Erzbischof, der seine sonntägliche Predigt ganz auf den Besuch Benedikts XVI. zugeschnitten hat, wartet schon sehnlich auf seinen obersten Hirten. Von der Visite des deutschen Papstes - es ist seine erste in den USA - erhoffen sich viele konservative Katholiken Zuspruch und eine neue Orientierung. Die Herde westlich des Atlantik ist nämlich in Aufruhr: Priestermangel, finanzielle Kalamitäten, aufgelassene Kirchen. Und schwer über allem hängt - penetrant wie eine Wolke Weihrauch im Gewölbe - ein hochpeinlicher Missbrauchsskandal.
Der Heilige Vater kommt wegen diesem Missbrauchskandal auch nicht noch Boston. Obwohl sich Kardinal Sean P. O' Malley sich sehr einen Besuch von Papst Benedikt in seiner Erzdiözese gewünscht hätte, um Boston vom Makel des Missbrauchsskandals zu befreien, der hier seinen Ausgang genommen hatte.
In einer mit dem Pulitzer-Preis gekrönten Serie von Berichten hat die Tageszeitung Boston Globe die Umtriebe eines katholischen Priesters öffentlich gemacht, der über Jahrzehnte mehr als 100 Kinder missbraucht und teilweise auch vergewaltigt hatte. Die Zeitung konnte belegen, dass hohe Kirchenfunktionäre seit Beginn der 1980er-Jahre von dem Skandal wussten, die Geschehnisse aber vertuschten und es dem Priester sogar ermöglichten, weiterhin mit Kindern zu arbeiten.
Die Berichte lösten nicht nur einen landesweiten Aufschrei der Empörung aus, sondern sie leiteten eine Vielzahl weiterer Untersuchungen ein. Eltern schlossen sich zusammen, mehr und mehr Missbrauchsopfer meldeten sich. Es kam zu einer beispiellosen Flut von Strafverfahren und Schadenersatzklagen. Die USA-Kirche musste ca. 200 Milliarden Euro an die Opfer zahlen.
Am Ende standen tausende Missbrauchsopfer, 3000 angezeigte Priester, 19 angezeigte Bischöfe und Vergleichssummen in Milliarden-Dollar-Höhe. Die von zwei Reformkatholiken betriebene Webseite http://www.bishopaccountability.org hat in den letzten fünf Jahren mehr als 93.000 Akte online gestellt und die Kollektion wächst immer noch.
Die Flut an Prozessen stürzte die katholische Kirche in den USA in eine tiefe finanzielle Krise. Kirchen wurden geschlossen, Immobilien verkauft.
Der Missbrauchsskandal veranlasste die US-Erzbischöfe aber auch zu tief greifenden institutionellen Reformen: Neben Aufsichts- und Schadenersatzpflichten für Bischöfe setzt man Bildungsprogramme und Aufklärungsunterricht. Wie fast jeder Erzbischof in den USA, hat auch Kardinal O'Malley aus Boston versprochen, den Schülern in katholischen Schulen und Seminaren eine Stunde pro Woche "Talking about Touching" zu unterrichten. Darin sollen die Zöglinge lernen, sich vor sexuellen Übergriffen zu schützen.
Die katholische Kirche befürchtet nun auch in Deutschland hohe Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe, die Opfer auch noch nach Jahrzehnten geltend machen könnten.
Nach Informationen des WDR in Köln hat das Kölner Erzbistum nach Bekanntwerden von mutmaßlichen Missbrauchsfällen in einer Pfarrgemeinde in Bergisch Gladbach inzwischen Gespräche mit möglichen Opfern begonnen. Wie viele Personen sich bislang gemeldet haben, wurde aber nicht bekannt. Vor rund zwei Wochen hatte das Erzbistum auf mögliche Missbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen hingewiesen, die sich Anfang der 70er Jahre in der Pfarrei St. Maria Königin in Bergisch Gladbach ereignet haben sollen.
Wenn es aber um Kindesmisshandlungen durch Pfarrer, katholische Lehrer und Erzieher in den 50iger, 60iger und 70iger Jahren geht, wird der Bergisch Gladbacher Aufruf wohl kein Einzelfall bleiben. Heute wird das Thema Kindesmisshandlung durch Eltern groß diskutiert. Der Gesetzgeber plant ein Kinderpräventionsgesetz, damit es zu weniger Kindesmisshandlungen kommt.
Doch besonders die ältere Generation, wird sich daran erinnern, dass Kindesmisshandlungen in katholischen Kirchen, Schulen und Kinderheimen und durch katholische Priester damals an der Tagesordnung waren. Nicht selten hatten die katholischen Priester, Lehrer und Lehrerinnen oder Erzieher sogar ihre „Rohstöckchen“ in der Ecke stehen. So manchem Kind wurde mit diesem Rohrstöckchen sogar das Schreiben mit der linken Hand ausgetrieben. Was heute Gott sei Dank nicht mehr üblich ist, da man inzwischen etwas von Linkshändern weiß.
Bleibt zu hoffen, dass die deutsche katholische Kirche auch diese Vergangenheit einmal aufarbeitet und dazu auch generell einmal Stellung nimmt. Und sich auch dazu einmal betroffene Deutsche bei der katholischen Kirche melden und evtl. sogar entschädigt werden.
Mit Beileidsbekundungen durch den Heiligen Vater ist es dabei aber nicht getan.
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